Freitag, 26. Oktober 2018

Vorsicht beim Antennenkauf über das Web

Etliche Portale berichten heute über überteuerte angebliche Super-Antennen. Veranwortlich für das als TV Radius, TV Fox, Gadget TV Fox oder TV Fix Antenna bezeichnete Produkt und die dazugehörigen Shop-Websites zeichnet Strong Current Enterprises Limited in London. Für die massenhafte Verbreitung der Anzeigen sorgt Google. dehnmedia hatte Ende Mai und letzte Woche einige Websitebetreiber darauf aufmerksam gemacht und gebeten, auf diese Werbeschaltung zu verzichten. Schließlich wird ja der Ruf der Publikation mißbraucht. Obwohl das Problem bekannt ist, scheint es eher schlimmer zu werden: Der Screenshot von heute nachmittag zeigt, wie der kritische Beitrag zu diesem Thema mit gleich fünf Werbeschaltungen für das Abzock-Teil (unter anderem Namen) zugemüllt wird.

Immerhin scheint man von früheren offenkundigen Lügen, das Produkt brächte verschlüsselte HDTV-Kabelsender gratis ins Haus, Abstand genommen zu haben. Gleichwohl sind etliche Werbeaussagen falsch, täuschend oder irritierend. So trifft die Unterstellung, man könnte Dank der Antenne Kabelgebühren sparen („Kündige deine Kabelverträge“) schon deshalb nicht zu, weil der Kabelanschluß oft mit dem Mietvertrag gekoppelt ist. „Empfange alle deine lokalen Lieblingssender in kristallklarer HD Qualität“ ist sachlich falsch, weil Lokal-TV terrestrisch nur n Hamburg und Berlin und nicht in HDTV gesendet wird. „Schaue deine Lieblings Sportevents und Nachrichtensender“ - ist eine Behauptung, die z.B. den Bundesliga- und Formel1-Fans vortäuscht, dass sie die Events ohne kostenpflichtiges Abo bei Sky, FreenetTV etc. sehen könnten. Dass freeseetv mit Logos öffentlich-rechtlicher Programme wirbt, ist illegal; würden ARD und ZDF untersagen, wenn man das dort wüßte. Unter tvradius unterstellen Logos von ABC oder CBS in Verbindung mit der deutschen Fahne, dass die US-Networks hier zu empfangen seien - was für Europa sachlich falsch ist. Weitere Inserate zeigen zur Aussage „Diese tolle Superantenne ...“ gänzlich andere Produkte. „Entworfen mit geheimer Militärtechnik“ ist schlichter Unsinn.

Die Google-Inserate kann man nur vom redaktionellen Teil unterscheiden, wenn man weiß, dass das kleine Logo oben rechts mit Dreieck und Kreuz auf eine von Google durchgeschaltete Werbung hinweist.

Interessant sind die Links zu den angeblich persönlichen Rabattierungen von 50 Prozent auf 65,98 Euro. Zunächst wird einem über mehrere Screens hinweg ein individuelles Angebot vorgegaukelt. Dann gelangt man manchmal zu einem anderen Angebot: Beim Kauf von drei Stück entsprechen 65,98 Euro 35 Prozent Rabatt, heißt es. In anderen Fällen kommt man auf eine Liste mit Angeboten für ein bis fünf Stück. Überraschung: Da kosten drei Stück 82,48 Euro, ein angeblicher Rabatt von 50 Prozent eingeschlossen. Aus der erstgenannten Offerte errechnet sich ein unrabattierter Stückpreis von 33,84 Euro. Aus der Fünferliste ergeben sich jeweils 54,94 Euro. Also: Unterschiedliche Preise für die gleiche Leistung!

Was das (Un-) Ding wirklich wert ist, beschrieb Computerbild bereits im Februar nach einem Test in einem Video: „Das bestellte Exemplar leistete nicht mehr als eine einfache Stab-Antenne für rund 10 Euro (...) Zum Preis von TVFix, TV Radius und TV Fox gibt es bereits gute Aktiv-Antennen mit eingebautem Verstärker (...) Außerdem versuchte der Anbieter (Strong Current Enterprises Limited in London) wie schon bei der Streaming-Box TV Frog, dem Kunden zunächst gleich drei Exemplare unterzujubeln ...“

Trotz der bekannten kritischen Feststellungen sowie etlicher Beschwerden über ausgebliebene Lieferungen (z.B. nachzulesen im Userforum von Paypal) scheint es unmöglich, solche Abzockerei zu unterbinden. In allen bei dehnmedia im Mai und aktuell bekannt gewordenen Fällen platzierte Google diese Werbung gezielt auf Webseiten bekannter Medienunternehmen (z.B. Bild.de, Digitalfernsehen oder Golem und Radiosendern wie Kiss FM, AbsolutRadio u.a.). Die Täuschung mittels unterschiedlicher Produkt- und Händlernamen wird offenbar dadurch erschwert, dass man mit jedem einzelnen Fall bei Google (als) vorstellig und ein Einwand dort akzeptiert werden muss. Eine wirksame Rechtsgrundlage scheint es nicht zu geben, um Verbraucher vor unseriöser Werbung aus dem Ausland zu schützen.

Hinweis: Dieser Artikel (23.1.2018) ist wegen seiner Relevanz direkt von Dehnmedia übernommen.